Beim Offenen Bein :" Guter Strumpf besser als schlechter Verband "- also lieber 2.Wahl , als 1.und Beste ?

  • SOWEIT SIND WIR SCHON : eine aktuelle Studie ( Metaanalyse - da werden viele Studien überprüft ) hat ergeben ,das Kompressionsstrumpf besser ist , als ein schlechter " suboptimaler" Verband !!!


    Es macht mich wütend , denn der richtig angelegte Kompressionsverband ist allemal wirksamer als ein Kompressionsstrumpf ! Man muss halt wickeln können. Und kann das bei akutem Offenen Beinen oft NICHT den Patienten überlassen .Nur weil die Kassen angeblich kein Geld haben..


    Es wird angemerkt :" in Zeichen zunehmendes Kostendrucks überlässt man das Wickeln dem Patienten und nicht professionellen Kräften. Da schleichen sich leicht Fehler ein ..."


    Und der Patient hat weiter das Offene Bein ! Und die Schmerzen und den Gestank und die Sorgen und vereinsamt , hat die Scham , etc.pp.


    Ich habe vor Jahren einen recht bekannten Hautprof. der Uni Freiburg gefragt : gehe ich zu weit , wenn wir beim akuten Ulcus 3x täglich !!! wickeln ?
    Er , in etwa : nein , aber wir haben an der Uniklinik nicht genug Personal...


    Und das bei 500-800 Euro pro Tag...


    Und venös bedingte Beine haben wir noch immer zu bekommen , und das sind die meisten,aber oft auch die selteren...ist aber schwerer.


    Habe ich heute in der Ärzte-Zeitung Seite 9 gelesen


    Schlaft gut ,
    man könnte auch sagen , gute Nacht Marie :(

  • das soll auch die Praxis machen ! Aber wenn der Doktor keine Ahnung hat , dann bekommt der Patient eben irgend was drauf , manchmal teurer als Gold , und das Ulcus wächst und wächst und...
    Es ist eben keine " Wunde " sondern - meist !!! - ne multifaktorielle Venenerkrankung ...


    Wir haben jahrelang " Kurse für Ärzte gamacht in Praktischer Phlebologie ,ca.1000 Ärzte aus Deutschland und dem umliegenden Ausland waren da..., kein Arzt konnte wickeln , hat es aber gelernt...
    Wir haben in der klinik uns selbst gewickelt , geht sehr schlecht , und wenn man bedenkt , da müssen noch diverse Polster drauf , man ist älter , dicker, hat Arthrose usw...und soll die Wunde einschätzen, ist der Patient glatt völlig überfordert.


    Und " Moderne Wundversorgung" heisst doch häufig nur , teure Salben" Systeme" zu verkaufen !!! ;)

  • Seit mehr als 20 Jahren kämpfe ich für eine bessere Versorgung der Patienten mit Offenen Beinen ! Langsam werde ich müde, kaum noch wütend , aber immer noch ärgert es mich ungemein , wenn offene Beine nicht abheilen . Aber die Kassen könnten sich drum kümmern : sie sollten wissen , wo Ihre " Kundschaft" Probleme hat !
    Wenn die Kassen jahrelang zahlen für den gleichen Patienten , sollten sie in der betreffenden Stadt WISSEN , wer Erfolg hat ! Aber sie sind uninteressiert auch dumm , beleidigt, aggressiv,und " Beamte " - im negativen Sinne .
    Mir sagte mal ein Kassenfürst vor Ort , " Wir wissen , dass sie der Beste sind , aber wir dürfen nicht bezahlen,sie sind privat..."
    Was war passiert : eine Pat., sie ist in der Galerie zu sehen , hatte 12 Jahre Offene Beine , 250 000 DM !!! Behandlungskosten , 40 Ärzte , 1 Jahr stationär...Allergien am ganzen Körper.
    Bei uns Oktober - Januar , ca.5000 DM, Ulcus zu ,Krampfadern operiert, alles gut. Und es ging noch billiger , aber die Pat.hat lange gezögert , sich operieren zu lassen.
    4 solche Fälle und die Kassen sparen 1 Million DM , also 500 000 Euro.
    Der blanke Wahnsinn .
    Und vorher hat mich die kassenärztliche Vereinigung " windelweich " gekürzt , ich wäre fast Pleite gegangen !


    Deswegen habe ich auf Druck der Bank die Notbremse gezogen und mußte privatisieren !


    Und heute gibt es für Offene Beine "Fallpauschalen " auch stationär , damit kann man nicht mehr arbeiten...-
    Glaubt mir , es ist zum Kotzen !!!


    Sorry , für diese Offenen Worte . Offene Beine sind meine Leidenschaft , es sind die besten Patienten der Welt - aber die Realität ist grausam .


    Aber ich habe Hoffnung . im Osten hat man ja auch immer gesagt " die schönste DDR der Welt- und jetzt ist sie Pleite .Mit Recht. :P
    Und wir haben ja " das schönste Gesundheitswesen der Welt..." ;)


    ODER ???

  • So deutlich wurde das lange nicht mehr gesagt. Ich glaube wenn wir hier ein neues Thema aufmachen über die Vergeudung von Versicherten Geldern bis hin zur "Unfähigkeit" des Gesetzgebers endlich ein funktionierendes und bezahlbares Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen dann befürchte ich bei so einem Thema eine Flut von Beiträgen. Und warum Lymphologie in den Universitäten schlicht übergangen wird ist auch nicht nachvollziehbar.

  • Ein Kriterium für " gute oder schlechte " Behandlung beim Offenen Bein - wenn es venös bedingt ist !!! und das sind ca.80% :


    Sind die Beine geschwollen , auch noch nach Behandlungsbeginn , bis so. ca.2 Wochen später , da sollte jedes Bein dünner werden bzw.sein ,taugt die ganze Behandlung wenig .


    Schwieriger sind Offene Beine und Lymphödeme , die dauern länger -da haben wir hier ja ein paar Koryphäen , die können da Auskunft geben. Aber auch hier ist die ( wirksame ) Kompression das A und O .


    Und dann gibt es noch spezielle Fälle , Diab.Ulcera, arterielle Durchblutungsstörungen ,Neurologische Ulcera , Pyoderma gangraenosum,etc.pp..


    Schönen Tag allen.

  • Ich bin sehr dankbar , dass ich hier nicht rausfliege , danke . Aber ich möchte auch niemanden nerven und ich bin auch nicht Schreinemaker , die ja die Zuschauer mit eigenen Problemen nervte...
    Aber lieber Herr Rothardt , warum nicht das System hinterfragen..
    Find ich mutig und gut,
    und es kann verbessern...
    Ich leide " privat " zu sein .
    Aber die KV sagt immer , es gibt keinen Bedarf...einfach lächerlich. :P

  • Lieber Kollege Martin , liebe "Gemeinde" ,


    mir sagte mal eine Journalistin , diese Fälle sind deswegen schlecht in die Öffentlichkeit zu tragen , weil sie so eklig sind und halt nicht schön aussehen ...


    Ich würde am liebsten der ganzen Welt " unsere Offenen Beine und deren Schicksal " zeigen .


    Und ob Rössler oder all die Andern , ist doch wurscht , alle haben Macht , eine Weile...werden gefeuert , treten zurück , haben Riesenrenten und zurück bleiben wir : Die Patienten , Betroffene ,und wir die Behandler,Ärzte, ...und haben eben keine Macht .


    Und erleben doch auch selbst Klüngel in unsern Verbänden .
    Bin schon lange dabei , kenne eigentlich seit 25 Jahren alle , die " Rang und Namen " haben , hatten ...

  • Dr. Katz,
    kann Sie verstehen. Meine Schwiegermutter hatte neben vielen anderen Erkrankungen ein gangraen unter dem Fuß. Lange haben wir damit herumgedoktert, bis uns durch Zufall zu Ohren gekommen ist, das es in unserer Nähe im Krankenhaus eine Ambulanz für Diabetiker Schwerpunkt Füsse gibt. Nach langem hin und her, haben Sie meine Schwiegermutter behandelt. Jeden Tag Behandlung, so dass der Fuß von innen nach außen heilen konnte. Er konnte sie dann auch endlich dazu überreden, da kaum noch Puls im Fuß war, sich operieren zu lassen.


    Ende vom Lied war, hätte sie das nicht machen lassen( Bypass an der Bauchschlagader), wäre Ihr das Bein abgenommen worden.


    Man gerät leider oft an viele " jSchlechte" Ärzte und hat doch manchmal das Glück auf Menschen wie Sie zu treffen!
    Man muß halt viele Frösche küssen, bis man den Prinzen findet.

  • Danke sehr , dieser Dank freut mich ehrlich sehr. :rolleyes:


    Aber ich hoffe auch ,dass sie nie wieder ein Offenes Bein bekommen .
    Eigentlich ist es sehr einfach : Schwellung vermeiden .Nicht so viele Salben drauf , Krampfadern beseitigen. Ekzeme sind schon ein Alarmzeichen .


    Aber ,natürlich sind nur ca.70-90 % aller offener Beien venös bedingt .Immerhin die Meisten.
    :)
    Beim , immer noch grossen Rest , sind andere Ursachen, allein oder gemischt,zu bedenken und die Therapie wird schwieriger und oft auch langwieriger.

  • Ja !!! aber :...Ich rate -als Phlebologen eindeutig zur Krampfaderoperation , nach den Hach'schen Kriterien ! Also Magna ab Stadium III , und Parva ab Stadium II...Gründliche Suche nach Perforansvenen, die kaputt sind , insbesonders im Knöchelbereich ( Cockett ) .


    Vorher Lymphödem erfolgreich behandeln , also Bein dünner machen !


    Aber der Koll.Martin hat völlig Recht : Vorsicht , da kaputte Lymphknoten in der Leiste nach Crossektomie schlimmste Lymphödeme auslösen können .


    Bitte keine Angst , ist uns noch nie passiert , aber auch ich kenne schreckliche Fälle .

  • Be3i einem Lymphödem wird eine flachgestrickte Kompression mindestens KKl 2 getrage, die auch die Venen komprimiertr. Allerdings ist ganz klar, dass die Krampfadern das Ödem verschlechtern, also: entweder immer die Kompression tragen oder von einem lymphologisch versierten Phlebologen operieren lassen.

  • Offene Beine gehen schlecht zu - Offene Worte


    Ich bin seit heute neu in diesem Forum - arbeite allerdings schon über 2 Jahre auf einer Station mit ausschließlich septischen und chronischen Wunden. Freue mich sehr, mich hier austauschen zu können.


    Dr. Katz - ich kann Sie sehr gut verstehen !!!! Wie manchmal Patienten zu uns kommen - mit schlimmen, nicht oder falsch behandelten Wunden, oder schlechter Versorgung - das paßt hier im Allgäu "auf keine Kuhhaut". Das Problem mit der Gesundheitspolitik sehe ich genauso. Nun, wir versuchen seit Jahren eine gute Vernetzung und Versorgung aufzubauen. Ich finde, wir haben schon positive Rückmeldungen. Trotzdem kommen immer wieder schlimme Fälle und man fragt sich "wie kann das sein?" Manchmal möchte man bei so viel Elend aufgeben - aber dann sieht man Patienten denen man geholfen hat und bekommt die große Dankbarkeit zu spüren. Das baut ein immer wieder auf und läßt einen weitermachen. Hab auch mit meiner Oma schlechte und gute Erfahrungen im Sachen Wundversorgung mitgemacht. Sie wohnt im Raum Passau und ich muß sagen, man braucht Glück um an einen guten Arzt zu kommen , der sein Handwerk in Sachen Wundversorgung versteht. Da ich mich gut auskenne in Sachen Wunde und Wundversorgung und meine Oma Gott sei Dank eine tolle Hausärztin hat , hat sich alles zum Guten gewendet (pavk 4°Grades, Chronische Wunde seit Jahren am Dig. 5 links - PTA - danach endlich Amputation des Dig. 5, es ließ sich nicht mehr vermeiden, da der Knochen schon lt. Röntgenbild betroffen, am auflösen war).


    Werde gerne in das Forum Wunde, Wundversorgung öfter reinschauen, auch die anderen Themen sind hier sehr interressant und informativ und auch für mich lehrreich.


    Mit freundlichen Grüßen ELLI

  • OH Gott , was bin ich froh , dass sich hier einiges tut- wir brauchen unbedingt Öffentlichkeit .Jeder findet Offene Beine ekelhaft , keiner will die Bilder sehen , eignen sich nicht für ne Talk_Show , oder für die Presse, aber die Leute gehen körperlich und seelisch kaputt.
    Wir könnten diesen Patienten helfen , aber keiner will bezahlen...alle gucken weg, immer mehr " Moderne Wundversorgung " - das ich nicht lache , ein Marketinggeck ...sonst nix.

  • Hallo Hr. Dr. Katz !!


    Ja, Sie haben recht - Moderne Wundversorgung ist noch sehr am hinken.
    Doch wir konnten schon viel hier im Allgäu erreichen !!
    Bei uns auf Station + in der Wundambulanz wird nur noch moderne Wundversorgung praktiziert !!
    Haben viel, lang und stark gekämpft (Verwaltung , KK , IV- Vertrag....)!!
    Aber es hat sich gelohnt !!!
    Bei uns wird nicht mehr so viel weggeguckt. Kümmern uns darum.
    Wir haben Patienten / Angehörigeninformationsveranstaltungen mit guter Resonanz.
    Somit gehen wir auch in die Öffentlichkeit.
    Klar , es müßte viel mehr geschehen, gebe ich ihnen recht.
    Aber für mich ist das ein guter Ansatz.